Den Begriff hört man heutzutage überall. Vielleicht hast du dich kürzlich mit einem Kollegen darüber unterhalten oder bist in einem Forum darauf gestoßen: IPTV. Alle scheinen ‘das Kabel zu kappen’ und auf das Fernsehen über das Internet umzusteigen. Aber wenn man mal kurz googelt, wird man schnell mit Fachbegriffen bombardiert.
Zeit, es einfach zu halten. Was genau ist das eigentlich, braucht man dafür spezielle Geräte und – die wichtigste Frage – wie funktioniert IPTV in der Praxis? In diesem Artikel erkläre ich es dir von A bis Z, ganz in verständlicher Sprache.
Was ist IPTV eigentlich?
Fangen wir mit den Grundlagen an. IPTV steht für Internet-Protokoll-Fernsehen. Das klingt zwar etwas kompliziert, bedeutet aber eigentlich nichts anderes als ‘Fernsehen über die Internetverbindung’.
Denk mal an früher zurück. Damals musstest du ein dickes, steifes Koaxialkabel in die Wand stecken oder hast auf dem Dach mit einer Rechenantenne herumhantiert, um das Signal aus der Luft einzufangen. Bei IPTV funktioniert das ganz anders. Deine Lieblingssender kommen nicht mehr über ein separates Fernsehnetz herein, sondern nutzen einfach dieselbe Internetverbindung, die du auch für WhatsApp, das Arbeiten von zu Hause aus oder zum Zocken verwendest.
Da alles über das Internet läuft, bist du nicht mehr an feste Sendezeiten gebunden. Das ist der Grund, warum du heutzutage so einfach Live-Fernsehen anhalten oder Sendungen von vorne starten kannst.
Okay, und wie funktioniert IPTV denn genau?
Um zu verstehen, wie das funktioniert, muss man kein IT-Experte sein. Der Weg, den das Fernsehbild vom Studio bis zu deinem Bildschirm zurücklegt, besteht im Grunde aus vier einfachen Schritten:
Das Signal erfassen: Der Anbieter empfängt alle Sendungen der Fernsehsender (oft über große Satellitenschüsseln an seinem Hauptsitz).
Verpacken: Die Videodateien sind sehr groß. Sie werden daher digital in Tausende kleiner Datenpakete ‘zerlegt’.
Versand: Diese Datenpakete werden blitzschnell über das Internet an das Modem in deinem Zählerschrank gesendet.
Auspacken und anschauen: Sobald die Daten bei deinem Fernseher ankommen, entpackt ein kleines Gerät (oder eine App auf deinem Fernseher) sie wieder. Das geht so schnell, dass du einfach ein flüssiges Fußballspiel oder eine Talkshow siehst.
IPTV im Vergleich zu 'normalem' Fernsehen und Netflix
Viele Menschen werfen IPTV mit Streaming-Diensten wie Netflix oder Videoland in einen Topf. Das ist nicht verwunderlich, denn beide nutzen das Internet. Dennoch gibt es einen Unterschied.
Dienste wie Netflix nutzen das öffentliche Internet (das nennt man OTT von Übertrieben Streaming). Wenn das Internet in deiner Nachbarschaft stark ausgelastet ist, kann es gelegentlich zu kurzen Einbußen bei der Bildqualität kommen. Echtes IPTV läuft oft über einen abgeschirmten Teil des Netzwerks deines Internetanbieters. Sie reservieren sozusagen eine VIP-Spur auf der digitalen Autobahn, speziell für deinen Fernseher. Dadurch kommt es zu keinen Aussetzern beim Live-Bild.
Hier ist eine praktische Übersicht, um die Unterschiede zu erkennen:
| Kennzeichen | Das altbekannte Fernsehen (Kabel/Koax) | IPTV (Internet-TV) | Netflix / Videoland (Streaming) |
| Wie gelangt es ins Innere? | Über ein TV-Kabel oder eine Satellitenschüssel | Über Ihr Internetkabel oder WLAN | Über das öffentliche Internet |
| Was gibt es zu sehen? | Nur das, was gerade im Fernsehen läuft | Live-TV, „Programm verpasst“ & Filme | Nur Filme und Serien (auf Abruf) |
| Brauchst du eine Kiste? | Manchmal, oder direkt im Fernsehen | IPTV-Box, Medienplayer oder Smart-TV-App | Man braucht nur eine App |
| Zendera-Angebot | Eingeschränkt (die Leitungen sind ‘voll’) | Nahezu unendlich | Keine Live-Sender |
Was brauchst du, um loszulegen?
Das Schöne an IPTV ist, dass man keinen geschickten Handwerker beauftragen muss, um Kabel durch das ganze Haus zu verlegen. Wenn du die folgenden drei Dinge hast, kannst du noch heute loslegen:
Gutes Internet: Das ist die absolute Grundvoraussetzung. Da alles über das Internet läuft, brauchst du eine stabile Verbindung. Für normale HD-Sender reichen bereits 20 Mbit/s aus, aber möchtest du in 4K schauen oder nutzt der Rest der Familie gleichzeitig Netflix und spielt Videospiele? Dann ist Glasfaser oder eine schnelle VDSL-Verbindung wirklich sehr zu empfehlen.
Ein Abonnement: Du benötigst Zugang zu den Sendern. Dies ist über Anbieter wie KPN, Ziggo oder Odido möglich (die nutzen unter der Haube einfach IPTV), oder über legale Dienste wie NLZIET oder Canal Digitaal.
Ausrüstung: Du kannst die Inhalte über eine App auf deinem Smart-TV ansehen, aber viele Leute schwören auf ein separates IPTV-Empfänger (wie beispielsweise eine Formuler-Box oder ein Apple TV). Ein kleiner Tipp: Ein separates Gerät ist oft deutlich schneller als die integrierte Software deines Fernsehers. Dadurch lässt sich der Fernsehprogrammführer viel flüssiger durchblättern.
Das große Tabuthema: Ist IPTV überhaupt legal?
Wenn du nach der Frage suchst “Wie funktioniert IPTV?”, stößt man zweifellos auch auf Berichte über illegale Schränke. Wie sieht es damit eigentlich genau aus?
Um gleich mit der Tür ins Haus zu fallen: Die Technologie hinter IPTV ist 100% legal. Mehr noch: Es hat sich zum weltweiten Standard für die Fernsehproduktion entwickelt.
Es geht erst dann schief, wenn man online ein Schnäppchen findet, bei dem man für fünf Zehner im Jahr plötzlich 15.000 Sender, alle kostenpflichtigen Sportkanäle und die neuesten Kinofilme bekommt. Das klingt zu schön, um wahr zu sein – und das ist es auch. Diese Anbieter zahlen keinen Cent an die Produzenten dieser Sendungen. Organisationen wie die Stiftung BREIN nehmen diese Netzwerke daher regelmäßig vom Netz. Das Risiko? Dein Fernseher schaltet plötzlich auf Schwarz, du bist dein Geld los und im schlimmsten Fall gelangt unerwünschte Malware in dein Heimnetzwerk. Halte dich also immer an die offiziellen und legalen Kanäle.
Auch abwägen: die Vor- und Nachteile
Bist du dir noch unsicher, ob das etwas für dich ist? Dann geh diese Punkte doch einmal für dich selbst durch.
Warum du es trotzdem tun solltest:
Weg mit den Kabeln: Du kannst deinen Fernseher überall aufstellen, wo du möchtest, solange WLAN vorhanden ist. Ideal für das Schlafzimmer oder den Dachboden.
Du schaust, wann du willst: Hast du den Beginn der Nachrichtensendung knapp verpasst? Drücke einfach auf die Taste, und sie beginnt einfach von vorne.
Urlaubsstimmung aufkommen lassen: Mit den dazugehörigen Apps kannst du deine Sender oft in der gesamten Europäischen Union auf deinem Smartphone oder Tablet ansehen.
Was Sie beachten sollten:
Internetnutzung = kein Fernsehen: Sie sind untrennbar miteinander verbunden. Ist dein Internet ausgefallen? Dann kannst du auch kein Fernsehen schauen.
WLAN kann unübersichtlich sein: Wenn sich dein Router unten im Zählerschrank befindet und dein Fernseher im zweiten Stock steht, kann es zu Bildstörungen kommen. Oft ist es daher unerlässlich, ein Kabel zum Fernseher zu verlegen oder ein gutes WLAN-Mesh-System zu verwenden.